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Mit Fritschi Tecton, Atomic Hawx Ultra 130 XTD und Helio 105 unterwegs am Oberalp Pass

Am Samstag 22. April hatte ich mit zwei Freunden am Oberalp Pass für eine Skitour abgemacht. Ein paar Tage zuvor hat mir Fritschi einen Black Diamond Helio 105 mit einer Tecton vorbei gebracht. Von Atomic hatte ich schon länger einen Hawx 130 Ultra XTD zum ausprobieren bekommen. Es war also eine gute, wenn nicht sogar letzte Gelegenheit, mit den Sachen auf Tour zu gehen. Am Oberalppass angekommen machen wir uns erst auf Richtung Pazolastock.

Den Hawx 130 Ultra XTD hatte ich zuvor direkt aus der Schachtel genommen. So hat es mich verwundert, dass ich nicht die geringste Druckstelle oder den Ansatz einer Blase durch Scheuern spürte. Atomic hat für diesen Schuh die Form des Alpinschuhs Hawx Ultra 130 genommen. Dieser ist auf einem 98mm Leist aufgebaut. Der Hawx 130 Ultra XTD ist quasi eine Mischung aus dem Hawx Ultra 130 und dem Backland. Gleich wie der Backland ist er aus einem Grilamid und etwas dünner gespritzt. Ebenso hat er den gleichen, effizienten Hebel hinten am Fuss, der den Schuh im Skimodus fixiert. Seine klassische Overlap Konstruktion hat er aber vom Hawx. Nachgewogen bringt der Hawx 130 Ultra XTD in Grösse 27 bloss 1.45 kg auf die Waage. Seine Schaftrotation ist erstaunlich gross und äusserst reibungsarm. Klar, man kann sich fragen, warum Atomic einen solchen Schuh baut, wenn doch inzwischen aktuelle Tourenschuhe den gleichen Halt bieten, dabei leichter sind und noch grössere Schaftrotation haben. Atomic kommt traditionell eher vom Alpinskifahren. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass ihre Version eines abfahrtsorientierten Tourenschuhs eine Hawx Abwandlung ist. Für eine solche Konstruktion sprechen folgende Punkte: Erstens werden Tourenschuhe immer leichter konstruiert. Darunter leidet früher oder später der Komfort und der progressive oder „natürliche“ Flex. Zweitens erfüllen Tourenschuhe nie eine Norm für Alpinbindungen bzw. passen kaum je in eine rein. Und drittens: Wer mehr Ski fährt als Touren geht, möchte vielleicht eher einen tourenfähigen Skischuh als einen alpinähnlichen Tourenschuh.

Wir sind spät gestartet, mussten also zum Pazola hoch ein paar Plätze gut machen. Wir arbeiten uns an anderen Tourengehern vorbei. Viele sind noch mit Rahmenbindungen unterwegs. Die meisten tragen auch mehr oder weniger schwere Tourenschuhe. Vielleicht nicht verwunderlich am Pazolastock. Mit dem Helio 105, der Tecton und dem Hawx bin ich eigentlich mit einer Freerideausrüstung unterwegs. Trotzdem schätze ich das Gesamtgewicht meines Materials deutlich unter dem Durchschnitt.

Die neue Tecton überzeugt mich dank dem überarbeiteten Vorderbacken und dem einfachen und intuitiven Handling des neuen Hinterbackens. Bisher galt ja, dass auf den mit der Vipec alle warten müssen, weil er partout nicht in seine Bindung rein kommt. Zumindest von uns dreien bin ich jetzt der Schnellste (die anderen Fahren ATK Raider 12 und G3 ION). Der neue Vorderbacken der Tecton (wie auch der neuen Vipec) wurde stark überarbeitet. Der Einstieg ist super einfach. Sogar wenn man leicht schräg steht, fassen die Pins die Inserts und zwingen den Schuh in die Bindung. Das Einsteigen hinten erfolgt wie bei einer Alpinbindung. Auch das Umstellen von Gehen auf Fahren könnte einfacher nicht sein. Diese Umstellung kann man sogar mit dem Fuss machen, man muss sich nicht mal bücken. Im Fahrmodus kommen die innovativen Rails am Fersenbacken der Tecton zum Zuge, welche teilweise in die Inserts des Tourenschuhs eingreifen. Zudem klemmt der Fersenbacken den Schuh, wie die Kingpin, ein. So fühle ich mich sich schon beim Einklicken in die Bindung sehr gut eingefasst.

Das einzige kleine Manko bisher: Die Pins der Tecton sind nicht komplett steif. Beim Traversieren wandert der Fersen meines Schuhs beim Abstehen ein paar Millimeter zur Seite. Ich spüre das aber nur, weil ich bisher ohne Steighilfe gelaufen bin. Ich gewöhne mich aber bald daran, bzw. spüre es nicht, wenn der Ski beim Traversieren nicht schräg, bzw. nur auf der Kante liegt. Später mit Steighilfe spüre ich es gar nicht mehr.

Wir fahren also zum Tomasee ab und dann ins Maighels Tal. Die Abfahrt bestätigen das gute Gefühl. Der Schnee ist frühlingshaft sulzig. Manchmal stelle ich den Ski quer und lasse ihn über den Sulz sliden, um ihn gleich darauf wieder in Fahrtrichtung zu stellen. Der Ski reagiert sehr schnell und ohne Verzögerung. Das gute Gefühl kommt sicher nicht zuletzt auch vom Helio 105, der leicht und lebendig aber nicht nervös ist.

Ich muss eingestehen, dass ich das vermeintlich schwammige Gefühl in Pin Bindungen, von dem gewisse Leute immer wieder sprechen, nie so deutlich gespürt habe. Den Unterschied zwischen einer Alpinbindung und einer Pin Bindung spüre ich aber schon. Und die Tecton ist eher auf der Seite der Alpinbindung.

Im Maighelstal ziehe ich das Fell auf und muss einzig den hinteren Hebel der Bindung nach oben ziehen. Der Klemmbacken versenkt sich nach hinten unten und schon ist die Bindung im Gehmodus. Vorne ein-klicken, Hebel auf Walk stellen und los gehts. Bei der Maighelshütte ziehen wir grad weiter auf den Cavradi. Die 300 Meter sind zwar nicht lang, in der Mittagssonne aber unglaublich heiss. Ich bin recht nass, also wir auf dem windigen Cavradi ankommen. Ich will nicht lange verweilen, drücke den hinteren Öffnungshebel der Tecton ganz nach unten, womit die Bindung direkt in den Einstiegsmodus bereit zur Abfahrt springt. Beim Hawx lasse ich den Hebel nach unten klappen und schliesse die Schnallen. Trotz viel Tieschnee bin ich schnell in der Bindung drin. Es kann los gehen. Die nordseitige Abfahrt vom Cavradi ist der Hammer.


Bild: Josh Sharpe

Es liegt zwar nicht viel aber doch feinster Powder. Aufgrund des Lawinensituation meiden wir allzu steile Hänge. Das Tempo ist aber etwas höher und die Kräfte auf die Skis grösser. Auch hier: Feedback vom Ski und Kraftübertragung auf den Ski fühlen sich sehr direkt und unmittelbar an.

Auf der Strasse zum Curnera Stausee queren wir zurück ins Maighels Tal, ziehen die Felle nochmals an und machen uns auf zur Martschallücke. Die Strecke vom Tomasee hinauf zieht sich noch recht. Wir haben inzwischen ja auch schon 2200hm in den Beinen. Wieder bin ich überrascht wie gut das mit meiner Freeride-Ausrüstung bisher lief. Uns bleibt nun noch die nordseitige Abfahrt unter dem Schijen ins Pazolatal. Wir haben Glück, auch jetzt um 16 Uhr ist der Schnee noch pulvrig, obwohl unten in Andermatt quasi schon Sommer ist.


Bild: Josh Sharpe

Fazit:

Fritschi macht mit ihrer neuen Tecton nochmals einen Sprung vorwärts. Das Handling hat sich dank dem überarbeiteten Vorderbacken nochmals deutlich verbessert. Der Hinterbaken ist nicht nur was Kraftübertragung sonder auch bezüglich dem Gewicht sehr gut gelungen. Die Bindung wiegt total (aber ohne Stopper) 550 Gramm. Sie gehört von der Stabilität her in die Klasse „Kingpin / Beast 16“, ist aber deutlich leichter als diese beiden und bezüglich Bedienungskomfort und Kraftübertragung gleich oder besser.

Atomic bringt mit dem Hawx Ultra XTD einen interessanten Schuh. Dieser wird sich in der immer grösseren Familie der Hybridschuhe einreihen; zusammen mit Tecnica ZeroG, Dalbello Lupo, Scarpa Freedom, Salomon QST, Lange XT und anderen. Er wird aber auch da einer der leichteren sein. Speziell am Atomic Schuh ist, dass man seine Sohle nicht wechseln kann. Beim ZeroG kann man die Gummisohle durch eine Alpinsohle ersetzten. Beim Scarpa Freedom und dem Salomon QST kann man den ganzen Sohlenblock auswechseln. Dalbello bietet neu keine Alpinsohle mehr an, sondern nur noch ihre „Gripwalk“ Sohle. Der Amer Konzern mit Salomon und Atomic hält vorderhand noch an ihrem „WTR“ (Walk To Ride) System fest, das zwar die gleiche Idee ist, aber andere Masse hat, weshalb eben der Hawx Ultra XTD nicht in eine Marker Griffon (Gripwalk) und schon gar nicht in eine normale Alpinbindung passt. Er geht nur in die „WTR“ tauglichen Bindungen von Salomon, bzw. Atomic. Diese Situation ist ziemlich unbefriedigend, zumal man je mach Schuh zumindest im Alpinbereich an spezifische Bindungen gebunden ist. Zumindest passen die Gripwalk Schuhe in die Salomon und Atomic Bindungen. Andersrum wäre auch schön gewesen. In Pin Bindungen passen aber alle diese Schuhe gleich gut.

2017-08-22T00:16:33+00:00

About the Author:

Thomas Scheuner is founder and owner of the Kundalini Ski Shop.