Professionelle Skifahrer und Ökologie

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Professionelle Skifahrer und Ökologie

Diesen Winter sind mir zwei Ski Flicks aufgefallen, in denen explizit das Thema Umwelt und Ökologie aufgegriffen wurde. Es ist nichts neues, dass professionelle Skifahrer sich dieses Thema bedienen, zumal sie ja von einer Erwärmung direkt betroffen sind. Sehr bekannt ist z.B. All.I.Can von Sherpas Cinema, der zwar vorgibt die Herausforderungen der Klimaerwärmung anzunehmen, dies aber in der Umsetzung des Films nicht glaubhaft macht.

Der erste der beiden Kurzfilme ist von Nikolai Schirmer. Mit „Schirmer in the Field“ hat er unter diesem Titel eine coole Webisode gemacht. Nr. 6 heisst „Skiing & the Environment“. Er reflektiert darin sein Tun als Pro Skier aus ökologischer Sicht. Zuerst hält er folgendes Paradox fest: Je mehr du die Natur liebst, desto mehr gehst du in sie hinaus und desto mehr zerstörst du die Natur durch Verschmutzung und dem Konsum von Ausrüstung. Dies ist bestimmt so und trifft auf ihn ganz besonders hart zu.
(Ob übrigens Leute, die viel in der Natur sind, sich wenigstens politisch oder gesellschaftlich für deren Schutz einsetzten, ist nicht ganz eindeutig, wie folgende zwei Artikel aufzeigen: Your stoke wont save us und sie Antwort darauf: I think stoke will save us.)

Fairerweise zeigt Nikolai ziemlich schonungslos auf, wie gross der ökologische Fussabdruck des Trips für Schirmer in the Field No. 6 ist. Und als er dann sagt, dass er ja zwei mal Amerika-Finnland für den Trip geflogen ist, weil er ja über Weihnacht seine Eltern besuchen wollte, wird der CO2 Kreis fast doppelt so gross. Dann sinniert er darüber, auf Fleisch zu verzichten, um die CO2 Bilanz zu verbessern. Bei so viel Flugmeilen und duzenden von Snowmobiles macht der zusätzliche Konsum von Fleisch leider sehr wenig aus. Heisst für ihn: Weiter Fleisch essen.

Seine Quintessenz ist schliesslich: Weil er so fest liebt, was er tut, muss er es einfach machen. Er hält aber an der Hoffnung fest, dass der technologische Fortschritt das ökologische Desaters seines Tuns dann schon noch richten wird.

Aus meiner Sicht macht es sich Nikolai damit etwas einfach. Klar, für jemanden, der das Glück hat, diesen Beruf auszuüben, kommt es einem Ausstieg gleich, wenn er seinen CO2 Fussabdruck massiv reduzieren möchte. Dennoch sind seine Argumente am Schluss etwas fadenscheinig. Trotzdem verdient seine Aufrichtigkeit und die Mühe, seine Verschmutzung aufzuzeigen, Respekt.

 

Der zweite Clip ist von Salomon TV: The Curve of Time mit Chris Rubens and Greg Hill. Sie gehören zur älteren Generation Freerider, die eigentlich noch viel mehr um den Erdball geflogen sind als Nikolai es tut. Die Filmidee ist, eine Nachricht an sich selbst im Jahr 2050 zu schicken, also quasi dem alten Greg Hill zu erklären, warum sie im Jahre 2018 so verschwenderisch mit den Ressourcen umgegangen sind. Gleich zu Beginn gestehen sie ein, dass es eigentlich ihr Job war, dauernd auf der Suche nach dem besten Schnee zu sein, überall hin zu fliegen und gute Aufnahmen nach Hause zu bringen. Rubens hält fest: „The way I was living, the way I approached my job hurt the very thing that I love and make a living from.“

Wie es für einen Pro Skier verständlich ist, führt diese Einsicht nicht zu einer Verhaltensänderung sondern – genau wie bei Schirmer – zu einer Änderung der Mittel. Währden Schirmer einfach nur auf den technologischen Fortschritt hofft, wenden Rubens und Hill ihn an. Ihr Ziel ist die Befahrung der sechs grössten Vulkane der Kaskadenkette zwischen Washington und Kalifornien mit einem Elektroauto und Fellen für den Aufstieg. Sie zeigen im Film dann auf, wie viel CO2 sie vor allem im Vergleich zu ihren früheren Trips einsparen, was natürlich nicht besonders schwierig ist. Die Bilanz sähe auch super aus, wenn sie mit einem grossen Ford Pickup gefahren wären, denn was bei solchen Reisen ins gewicht fällt, ist die Fliegerei, wie man auch im Film von Nikolai gesehen hat. Dennoch ist es ein cooles Projekt, das zuminest aufzeigt, dass man heute, obwohl Elektroautos bezüglich Reichweite eigentlich noch in den Kinderschuhen stecken, sogar in den USA schon recht grosse Reisen auch abseits der Hauptverkehrsachsen unternehmen kann.

2018-06-07T15:30:05+00:00

About the Author:

Thomas Scheuner is founder and owner of the Kundalini Ski Shop.