Bereits letzte Saison brachte Dalbello eine viel beachtete Version ihres legendären Lupo Modells auf den Markt: Den Lupo Air 130. Auf diese Saison wurde er nochmals etwas überarbeitet und soll nun wirklich ausgereift sein. Zeit also für einen Test.

Vorweg muss gesagt sein, dass ich Zungenschuhe für sehr gut halte. Nichts kann einen Flex geben, wie eine Zunge. Ich habe immer ein bisschen zwischen Dalbello und Full Tilt hin und her gewechselt. Ganz früh hatte ich mal den Dalbello Krypton und dann den Full Tilt Seth. Als Dalbello mit dem ersten Lupo Factory kam, war ich dank den Inserts wieder bei Dalbello. Gerade, wer mit seinem Skischuh auch gehen, bzw. Skitouren will, findet in einem Boot mit Zunge das wahrscheinlich beste aus beiden Welten. Im Aufstieg kann man die Zunge und damit das versteifende Element des Schuhs entfernen und hat somit einen super Gehkomfort. Für die Abfahrt, kann man die Zunge dann wieder einsetzten und der zuvor sehr gut „laufende“ Schuh, wird wieder zum vollwertigen Skischuh.

Als Dalbello einen Lupo ohne Zunge ankündigte, war ich zuerst skeptisch, wenn nicht sogar enttäuscht. Lupo, das stand doch grad für Zungenschuh und jetzt einen Boot, der zwar Lupo hiess, aber keine Zunge hatte, das konnte meiner Ansicht nach nicht gut kommen. Ohne Zunge konnte dieser Schuh doch keinen Flex haben, wie der „echte“ Lupo.

Es kam anders…

Kürzlich bekam ich einen Lupo Air 130, wie er auf die Saison 20/21 auf den Mark kommen soll zum testen. Ich nahm ihn ohne Fitting, nur mit einer angepassten Sohle auf einen kleine Tour mit. Immer ein Risiko aber schon mal ein kleiner Test, was den Out of the Box Fit angeht. Sofort wurde mir klar, warum der Schuh eben doch zu recht Lupo heissen soll: Die Passform. Geräumig vorne (der Lupo Air wird mit 100mm Leistenbreite angegeben), ziemlich satt um Knöchel und Mittelfuss. Wie bei meinem Lupo Factory, musste ich auch beim Lupo Air den Innenknöchel etwas ausdehnen. Was mir beim Gehen auch auffällt: Wenn ich die Schaftschnalle nicht ganz öffne, hat der Lupo Air 130 einen Anschlag, wo der Schaft nicht weiter will. Dies ist für mich auch ein Indiz dafür, wie Dalbello den Workaround ohne Zunge hingekriegt hat. Wenn man die Schaftschnalle allerdings ganz öffnet, kann sich der Unterschenkel mehr als ausreichend bewegen. Die Rotation nach hinten ist sowieso super.

 

Gewicht

Zunächst aber zum Gewicht, das ja quasi den Beinamen gegeben hat. Wie leicht ist er wirklich?

Mein modifizierter Lupo Factory in 27.5, dem ich die oberste Schnalle abgenommen und diese einzig durch einen elastischen Strap ersetzt habe, wiegt inkl. Zunge und Custom Fussbett 1897g. Ohne Zunge 1742 Gramm. Der Lupo Air in 27.5 inkl. Custom Fussbett und Spoiler 1473 Gramm. Ohne Spoiler und Custom Fussbett wiegt der Schuh ca. 1410 Gramm (Der Spoiler wiegt sage und schreibe 30 Gramm). Beim Gehen ist man mit dem Lupo Air also um beachtliche 269g pro Fuss leichter unterwegs als mit dem Factory. Und obendrauf muss man dann am Gipfel nicht mehr mit einer Zunge herumfummeln. Inkl. Zunge wiegt der Lupo Factory sogar 424g mehr als der Lupo Air.

 

Liner

Während beim Lupo Factory bekanntlich der super kompakte ID Liner drin ist, kommt im Lupo Air der neue ID Air Light von Ultralon zum Einsatz. Während der bisherige leichte Liner zum beispiel im AX 120 noch nicht ganz überzeugt hat, dünkt mich der neue Liner besser, weil besseres Schaummaterial und mehr formbare Anteile am Liner sind. Früher war ein grosser Teil ein perforiertes, nicht formbares Material. Dieses Material kommt noch immer zum Einsatz, allerdings nur im oberen Teil der Wade.

Während der Lupo Id Liner (inkl. custom Fussbett) 340g wiegt, kommt der ID Air Light (ebenfalls mit custom Fussbett) auf 331g. Also kein grosser Unterschied. Wenn man den optionalen Spoiler dran macht, was ich schätze an diesem Liner, kommt man sogar auf 364g. Das bedeutet: Dalbello holt das Gewicht nicht (auf relativ einfache Weise) mit einem leichteren Liner raus, sondern mit der Schale. Und: Der neue ID Air Light ist ein solider Liner, der aus relativ kompaktem Schaum besteht und sich gut thermisch anpassen lässt.